KI-Speicheraktien unter Druck: 3 Gründe für SK Hynix‘ 13%-Einbruch

Wall Street als Auslöser: Nvidias riskantes Finanzierungsmodell beunruhigt Anleger
Ein zentraler Auslöser des Kursverfalls war ein Bericht des Wall Street Journal über Nvidias Finanzierungspläne. Demnach verhandelt Nvidia über eine Garantie in Höhe von 250 Milliarden US-Dollar, um OpenAI beim Leasing eines 10-Gigawatt-Rechenzentrumscampus im US-Bundesstaat Ohio zu unterstützen. Das Gesamtprojekt könnte mehr als 500 Milliarden US-Dollar kosten. Nvidia soll zusätzlich Finanzierungen für OpenAI-Chipkäufe im Wert von bis zu 350 Milliarden US-Dollar diskutieren. Da OpenAI kein Investment-Grade-Kreditrating besitzt, fragen sich Investoren, ob Nvidias Rolle als Finanzgarant eher auf Schwäche in der KI-Nachfrage hindeutet als auf Stärke. Auch andere US-Chiphersteller wie AMD, Teradyne und Micron verzeichneten über Nacht weitere Verluste.
Chinesischer Wettbewerber CXMT: Aufstieg mit 500 Prozent und wachsender Bedrohung
Zusätzlichen Druck erzeugte der spektakuläre Börsenstart des chinesischen Speicherchipherstellers CXMT. Die Aktie stieg beim Shanghaier Börsendebüt am Montag um bis zu 500 Prozent gegenüber dem Ausgabepreis und bewertete das Unternehmen mit rund 515 Milliarden US-Dollar. Parallel dazu hat ein staatlich gefördertes chinesisches Unternehmen begonnen, eigene tiefe Ultaviolett-Lithografiemaschinen in Massenproduktion herzustellen. Diese werden an Chiphersteller wie SMIC, Hua Hong und CXMT geliefert und reduzieren Chinas Abhängigkeit vom niederländischen Ausrüster ASML erheblich. Analysten der Seoul Economic Daily schätzen, dass der technologische Rückstand von CXMT gegenüber den koreanischen Marktführern im Bereich Hochbandbreitenspeicher inzwischen auf drei Jahre geschrumpft ist. Frühere Schätzungen gingen noch von mehr als fünf Jahren Rückstand aus. Diese Entwicklung gefährdet direkt die Lieferverträge, die SK Hynix und Samsung mit großen US-amerikanischen Cloud-Anbietern abgeschlossen haben.
Fundamentale Unsicherheit: Niemand weiß, wie KI die Wirtschaft verändern wird
Hinter den kurzfristigen Kursverlusten steckt nach Einschätzung einiger Experten eine tiefere Verunsicherung. Owen Lamont, Senior Vice President bei Acadian Asset Management, brachte es gegenüber CNBC auf den Punkt: „Right now we’re facing an incredible uncertainty. No one has any idea how this AI process is going to affect our economy, and so I think it’s going to be rocky no matter what.“ Lamont wies außerdem darauf hin, dass gehebelte börsengehandelte Produkte die Kursausschläge verstärken könnten. Als besonders betroffene Märkte nannte er Korea, Hongkong und die USA.
Langfristige Perspektive bleibt umstritten
Nicht alle Analysten teilen den pessimistischen Ausblick. Sundeep Gantori, Chief Investment Officer für Aktien bei Standard Chartered, sieht die langfristige Chance für Speicherchiphersteller weiterhin intakt. Er verwies auf Prognosen von Brokern, die für das Jahr 2027 einen Preishöhepunkt im Speicherchipsegment erwarten. Entscheidend für die kurzfristige Marktentwicklung dürften die Quartalsergebnisse von SK Hynix sein, die noch in dieser Woche veröffentlicht werden. Die Zahlen könnten zeigen, ob die KI-getriebene Nachfrage die anhaltende Volatilität tatsächlich rechtfertigt.



