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OKX umwirbt gestrandete Nutzer, während Bybit EEA-Handelsbeschränkungen einführt

Bybit zieht sich aus 29 EWR-Ländern zurück

In seiner Mitteilung nennt Bybit 29 EWR-Staaten, in denen der Zugang zur globalen Plattform stufenweise eingeschränkt wird. Betroffene Nutzer sollen vorab informiert werden und ausreichend Zeit erhalten, offene Positionen zu verwalten. Zugang zu ihren Vermögenswerten sowie Auszahlungsrechte bleiben laut Bybit erhalten. Die lizenzierte europäische Tochtergesellschaft Bybit EU mit Sitz in Wien bleibt geöffnet. Sie gehört zu lediglich 14 vollständig lizenzierten europäischen Börsen im ESMA-Register, wobei Malta derzeit von ihrer Zulassung ausgenommen ist. Bybit EU bietet bislang ausschließlich Spot-Handel an.

Binance setzt den Präzedenzfall

Binance hatte wenige Tage zuvor den Schritt eingeleitet. Die weltweit größte Kryptobörse zog ihren griechischen MiCA-Antrag zurück, nachdem Berichte bekannt wurden, wonach die zuständige Regulierungsbehörde Mitgründer Changpeng Zhao nicht akzeptieren würde. Binance hatte sich 2023 in den USA schuldig bekannt und mehr als 4,3 Milliarden US-Dollar Strafe gezahlt. Zhao selbst gestand einen Verstoß gegen Geldwäschegesetze und trat als Vorstandsvorsitzender zurück. Binance will seine EU-Dienste zum 1. Juli einstellen und plant Berichten zufolge eine Neubeantragung in Frankreich.

OKX wirbt um abwandernde Nutzer

Den Rückzug der beiden Konkurrenten nutzt OKX aktiv als Geschäftschance. Die Börse gehörte zu den ersten globalen Plattformen, die eine MiCA-Lizenz erhielten, mit einer Genehmigung durch Malta im Januar 2025, und verfügt zudem über eine MiFID-Erlaubnis für Derivate. OKX Europe lockt wechselwillige Nutzer mit einem Angebot von acht Prozent auf neue Einzahlungen. Erald, Chef von OKX Europe, rief Nutzer von Bybit Global und Binance öffentlich zum Wechsel auf. CEO Star Xu stellte seinerseits in Frage, ob der Rückzug von Binance tatsächlich ein Verlust für Europa sei, und verwies auf öffentliche Berichte, wonach Binance nicht nachweisen konnte, dass seine AML-, Sanktions-Compliance- und Marktintegritätsprogramme wirksam sind.

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Xu steht dabei selbst unter Beobachtung. OKX bekannte sich 2025 in den USA über mehr als fünf Milliarden US-Dollar an verdächtigen Transaktionen schuldig und zahlte einen Vergleich von 504 Millionen US-Dollar. Monate nach Erhalt der MiCA-Lizenz verhängte Malta eine Geldstrafe von 1,1 Millionen Euro gegen die europäische Einheit des Unternehmens.

Compliance als Wettbewerbsvorteil

Andere lizenzierte Plattformen positionieren sich ebenfalls. Coinbase eröffnete einen europäischen Hub in Luxemburg. Marcos Viriato, CEO und Mitgründer von Parfin, ordnet den Wandel nüchtern ein: Eine Lizenz schaffe nicht automatisch Akzeptanz, sondern nur die Voraussetzungen dafür. Compliance sei zu einem echten Wettbewerbsvorteil geworden. Ob die Konsolidierung auf weniger lizenzierte Anbieter europäischen Nutzern nützt oder schadet, dürfte sich in den Monaten nach dem Stichtag zeigen.

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