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Polygon-Entlassungen und 1inch-Gründerabgang enthüllen Kryptos kostspieligen Kurswechsel

Polygon Labs: Vierte Stellenstreichung in drei Jahren

CEO Marc Boiron beschreibt den aktuellen Schritt als letzten Teil einer strategischen Transformation: Polygon Labs soll sich von einer Blockchain-Stiftung in ein zahlungsorientiertes Technologieunternehmen verwandeln, das bis 2027 profitabel sein will. Boiron betonte, die Entlassungen spiegelten strategische Entscheidungen wider und seien keine Leistungsbeurteilungen. Betroffene Mitarbeiter erhalten Abfindungen und Karriereunterstützung.

Es ist nicht das erste Mal, dass Polygon Labs Personal abbaut. Bereits 2023 wurden rund 100 Stellen gestrichen, 2024 folgten etwa 60 weitere, und im Januar dieses Jahres wurden erneut rund 60 Positionen abgebaut, kurz nachdem das Unternehmen für mehr als 250 Millionen US-Dollar Coinme, einen in 48 US-Bundesstaaten lizenzierten Zahlungsdienstleister, sowie den Wallet-Entwickler Sequence übernommen hatte. Die aktuelle Entlassungsrunde steht im Zusammenhang mit der laufenden Integration des Coinme-Teams.

Trotz des Personalabbaus verweist Boiron auf starke operative Kennzahlen. Das Stablecoin-Volumen auf Polygon erreichte im Juni einen Rekordwert von 9,12 Milliarden US-Dollar, und laut DefiLlama beläuft sich das gesamte Stablecoin-Angebot auf dem Netzwerk auf 3,36 Milliarden US-Dollar, womit Polygon unter allen Blockchains den achten Platz belegt. Visa hat Polygon zudem in diesem Jahr in sein Stablecoin-Abwicklungsprogramm aufgenommen. Polygon Foundation CEO Sandeep Nailwal deutete unterdessen an, wie das verbleibende Team künftig arbeiten soll: Ein Drittel der Belegschaft habe in einem dreitägigen Sprint 13 KI-Projekte entwickelt, für die ein Preispool von 15.000 US-Dollar ausgelobt wurde.

1inch-Mitgründer Bukov: Entlassung trotz 50-Prozent-Beteiligung

Wenige Stunden vor Polygons Ankündigung meldete sich Anton Bukov zu Wort. Der Mitgründer des DEX-Aggregators 1inch, der seit Mai 2019 für Protokollarchitektur und Sicherheit verantwortlich war, erklärte, er sei Ende November 2025 entlassen worden, obwohl er 50 Prozent der Unternehmensanteile hält. Operativen oder sicherheitstechnischen Einfluss habe er seitdem keinen mehr. Bukov beschreibt seinen Abgang als Führungskonflikt: Er habe nach Rückmeldungen von Nutzern und Teammitgliedern Änderungen im Management und in der Kommunikation gefordert und sei daraufhin entlassen worden.

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Als Reaktion gründete Bukov das Infrastruktur-Startup Second Tier, das nach eigener Aussage ein offenes Finanzsystem ohne Reibungsverluste und ohne Mittelsmänner anstrebt.

Token weit von alten Hochs entfernt

Der Markt honoriert die Umbrüche bislang nicht. Der Polygon Ecosystem Token (POL) markierte am 1. Juli mit 0,068 US-Dollar ein Allzeittief und notierte zum Redaktionsschluss bei 0,0838 US-Dollar, was einem Rückgang von knapp 64 Prozent innerhalb eines Jahres entspricht. Ein Nutzer brachte die Kritik vieler Halter auf den Punkt: Polygon Labs werde zu einer gewinnorientierten Zahlungsgesellschaft, während POL rund 98 Prozent unter seinem Allzeithoch notiere. Token-Halter besäßen keine Beteiligung am Unternehmen und keinen Anspruch auf künftige Gewinne.

Auch 1INCH leidet: Der Token notiert bei 0,0739 US-Dollar, ein Minus von 78 Prozent im Jahresvergleich, nachdem er am 6. Juni ebenfalls ein Allzeittief erreicht hatte. Beide Fälle zeigen, wie die Branche protokollorientierte Expertise gegen kaufmännische Disziplin eintauscht. Ob Token-Halter jemals an den erhofften Erträgen teilhaben werden, bleibt offen.

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