Riot verkauft Bitcoin und erfindet sein Geschäft neu

Verkäufe weit über der eigenen Förderung
Das Ausmaß der Verkäufe ist bemerkenswert. Im vergangenen Quartal veräußerte Riot insgesamt 3.778 Bitcoin für 289,5 Millionen US-Dollar, während das Unternehmen im gleichen Zeitraum lediglich 1.473 Coins selbst minte. Die Bestände sanken dadurch auf etwa 15.680 BTC, ein Rückgang von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Riot ist damit nicht allein: Auch der Konkurrent MARA Holdings verkaufte in diesem Jahr Bitcoin im Wert von rund 1,1 Milliarden US-Dollar, und Core Scientific begann ebenfalls, den Großteil seiner Coins zu monetarisieren. Der Halbierungszyklus von 2024 hat die Margen im reinen Mining spürbar unter Druck gesetzt.
Bitcoin-Erlöse finanzieren den Schwenk zu KI-Infrastruktur
Der direkteste Zusammenhang zwischen den Verkäufen und dem strategischen Kurswechsel zeigte sich im Januar. Riot finanzierte einen Grundstückskauf am Standort Rockdale in Texas über 96 Millionen US-Dollar vollständig durch den Verkauf von rund 1.080 Bitcoin. Das Areal bildet nun die Grundlage für ein Rechenzentrumsgeschäft. AMD unterzeichnete als Ankerkunde einen Zehnjahresvertrag mit einem Volumen von rund 311 Millionen US-Dollar und verdoppelte seine Kapazitätszusage zuletzt auf 50 Megawatt. Das neue Segment erzielte im ersten Quartal erstmals Umsätze in Höhe von 33,2 Millionen US-Dollar.
Mining arbeitet mit Verlust
Die wirtschaftlichen Zahlen verdeutlichen den Handlungsdruck. Unter Berücksichtigung der Abschreibungen auf Ausrüstung kostete Riot das Mining eines einzelnen Bitcoin im vergangenen Quartal 96.283 US-Dollar, also mehr als der Coin am Markt wert war. In der Folge meldete das Unternehmen einen Nettoverlust von rund 500 Millionen US-Dollar. CEO Jason Les bezeichnete den Wandel dennoch als strategischen Wendepunkt und nicht als Rückzug.
„Das erste Quartal 2026 markiert einen entscheidenden Wendepunkt für Riot, da wir offiziell den Übergang zu einem aktiven, umsatzgenerierenden Rechenzentrumsbetreiber vollzogen haben“, sagte Les.
Ausblick: Rechenzentrum soll Mining ersetzen
Riot hat seine langjährige Strategie, Bitcoin ausschließlich zu halten, im Jahr 2025 aufgegeben und verkauft die Reserven nun regelmäßig. Bei einem Bitcoin-Kurs von rund 58.700 US-Dollar kann das Unternehmen aus dem schrumpfenden Bestand noch erhebliche Summen mobilisieren. Die Nachfrage nach KI-Infrastruktur hat Miner-Aktien zuletzt trotz sinkender Mining-Margen gestützt. Die kommenden Quartale werden zeigen, ob die Rechenzentrumserlöse die Einnahmen aus dem Mining dauerhaft ersetzen können.



