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Südkoreas Plan zur Besteuerung unrealisierter Gewinne löst Marktchaos aus

Was der Steuervorschlag konkret vorsieht

Ein nicht realisierter Gewinn ist der Buchgewinn, den ein Anleger hält, bevor er ein Wertpapier tatsächlich verkauft und den Erlös in Bargeld umwandelt. Der neue südkoreanische Vorstoß würde genau diesen Buchgewinn als steuerpflichtiges Einkommen behandeln, selbst wenn die zugrunde liegende Aktie oder Immobilie nie den Besitzer gewechselt hat. Das Forum trug den programmatischen Titel „Erkundung der Steuerlücke bei Vermögenseinkommen und ein Übergang zur umfassenden Einkommensbesteuerung“.

Hinter dem Vorstoß steht eine breite Koalition. Abgeordnete der Demokratischen Partei, der Progressiven Partei, der Partei Rebuilding Korea und der Sozialdemokratischen Partei unterstützten das Forum gemeinsam. Auch Gewerkschaftsverbände wie der Koreanische Gewerkschaftsbund und der Verband der koreanischen Gewerkschaften beteiligten sich. Park Ki-san, Direktor beim Verband der koreanischen Gewerkschaften, formulierte die Forderung klar: „Wir sollten die Finanzanlageertragsteuer wiederbeleben, Steuerbefreiungen und Abzüge für Hocheinkommensgruppen reduzieren und nominale Steuerstufen hinzufügen, um den effektiven Steuersatz für die Ultrareichen anzuheben.“

Vorgeschichte und politischer Kontext

Der aktuelle Vorstoß steht in einer Reihe ähnlicher Maßnahmen. Im Februar hatten Abgeordnete bereits vorgeschlagen, den Freibetrag bei der Grundstückskapitalertragsteuer von 1,2 Milliarden Won auf 800 Millionen Won zu senken, was ungefähr 780.000 beziehungsweise 520.000 US-Dollar entspricht. Im April folgte ein weiterer Angriff auf die Vergünstigung für langfristig gehaltene Immobilien. Der Dienstag markiert nun erstmals den expliziten Einschluss nicht realisierter Aktiengewinne in die Debatte.

Präsident Lee Jae Myung hatte im September 2025 nach einem Aufschrei der Kleinanleger einen früheren Plan zurückgezogen, der die Kapitalgewinnschwelle von 5 Milliarden Won auf 1 Milliarde Won gesenkt hätte. Dieser Rückzieher hatte milliardenschwere Kursverluste innerhalb einer einzigen Handelswoche verhindert.

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Marktreaktion und internationale Parallelen

Die Marktreaktion war unmittelbar und heftig. Wichtige Titel brachen am KOSPI und im breiten Index ein, die Anlegerstimmung kippte innerhalb weniger Stunden. Die strukturelle Befürchtung der Investoren ist konkret: Eine Steuer auf Buchgewinne würde Anleger zwingen, Aktien allein zum Zweck der Steuerzahlung zu verkaufen, ohne dass sie tatsächlich einen Liquiditätszuwachs erzielt hätten. Kritiker warnen vor einer Schwächung der langfristigen Geldanlage, einem Druck auf Altersvorsorgeportfolios und einer beschleunigten Kapitalflucht in ausländische Märkte.

Als internationales Beispiel dient bereits die Niederlande, die am 12. Februar 2026 ein ähnliches Gesetz verabschiedeten. Dort gilt eine pauschale jährliche Steuer von 36 Prozent auf nicht realisierte Gewinne bei Aktien, Anleihen und Krypto-Assets. Die negativen Auswirkungen auf lokale Märkte und Startups zeigten sich dort nahezu unmittelbar. Gegner des koreanischen Vorschlags nutzen dieses Beispiel als warnendes Argument.

Ausblick

Ob aus dem Vorstoß tatsächlich Gesetz wird, ist offen. Jede Regelung muss die Nationalversammlung passieren, wo die Parteien weiterhin gespalten sind. Oppositionsabgeordnete haben bereits angekündigt, ihren Widerstand in den kommenden Wochen zu verstärken.

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