Trump könnte Diddy begnadigen: Chance für Sam Bankman-Fried?

Diddy-Begnadigung: Gespräche im Weißen Haus
Wie CBS News unter Berufung auf Insider berichtet, diskutiert Trump intern über Begnadigungsgesuche, darunter auch eines von Combs. Der Musikproduzent verbüßt eine Strafe von etwas über vier Jahren im Bundesgefängnis Fort Dix, nachdem er 2025 in zwei Anklagepunkten wegen Vergehen im Zusammenhang mit der Beförderung zu Prostitutionszwecken verurteilt wurde. Von den schwerwiegenderen Vorwürfen des Sexhandels und der Erpressung sprachen ihn Geschworene frei. Trump hatte im Januar erklärt, Combs habe ihm einen Brief geschrieben und um eine Begnadigung gebeten, er denke jedoch nicht daran, dieser Bitte nachzukommen. Seitdem scheint sich die Lage zumindest hinter den Kulissen verändert zu haben.
Zuletzt unterzeichnete Trump am Freitag sechs Begnadigungen für Personen, die wegen Verstößen gegen den Clean Air Act verurteilt worden waren. Auf Truth Social kommentierte er den Schritt mit den Worten: „It is my Great Honor to have just signed Pardons for six people who were persecuted by the Biden Administration, and were in, or being sent to, prison, for ‚fixing their car.‘ I AM SETTING THEM ALL FREE, RIGHT NOW!“ Dies setzt ein bekanntes Muster fort: Trump hatte bereits zuvor den Wyoming-Mechaniker Troy Lake wegen ähnlicher Emissionsvorwürfe begnadigt.
Sam Bankman-Fried: Antrag liegt auf Eis
SBF stellte am 8. Juni formal einen Begnadigungsantrag beim Justizministerium und beantragte Erleichterung nach Verbüßung seiner 25-jährigen Haftstrafe. Der Antrag ist seither ausstehend. Trump hatte im Januar unmissverständlich erklärt, keine Absicht zu haben, Bankman-Fried zu begnadigen. Ein Bundesberufungsgericht wies im Juni zudem sein Gesuch auf einen neuen Prozess ab, womit das Urteil Bestand hat. Erschwerend kommt hinzu, dass die Senatoren Cynthia Lummis und Ruben Gallego eine Resolution eingebracht haben, die sich ausdrücklich gegen eine Begnadigung ausspricht.
Dabei ist bemerkenswert, dass der FTX Recovery Trust inzwischen rund 10 Milliarden US-Dollar zurückgezahlt hat und kleinere Gläubiger bis zu 120 Prozent ihrer ursprünglichen Forderungen aus dem Jahr 2022 erhalten haben. Diese erheblichen Rückzahlungen haben die politische Haltung in Washington bislang nicht verändert. Staatsanwälte beziffern den durch den FTX-Betrug entstandenen Schaden auf 8 Milliarden US-Dollar.
Der Vergleich mit CZ zeigt Trumps Linie
Aufschlussreich ist der Kontrast zum Fall Changpeng Zhao, dem Gründer von Binance. Trump gewährte CZ am 21. Oktober 2025 eine vollständige Begnadigung. Zhao hatte vier Monate wegen eines Verstoßes gegen Geldwäschevorschriften abgesessen, während Binance eine Strafe von 4,3 Milliarden US-Dollar zahlte. Im Gegensatz zu SBF wurde sein Vergehen als regulatorisches Versäumnis und nicht als direkter Kundenbetrug eingestuft.
Trumps Begnadigungsmuster zeichnet sich damit deutlich ab: Verurteilungen, die er als regulatorischen Übergriff wertet, werden zügig aufgehoben. Fälle mit umfangreichem Kundenbetrug bleiben hingegen außen vor. Ob das bevorstehende Datum des amerikanischen Unabhängigkeitstages am 4. Juli weitere Begnadigungen bringt und wo die Grenzen dieser Unterscheidung liegen, dürfte die nächsten Wochen zeigen.



