Trumps Teleprompter-Operator verdiente 100.000 Dollar mit Wetten auf einen Präsidenten, der das Skript ignoriert

So funktionierte das Wettschema
Kalshi betreibt sogenannte „Mentions Markets“, auf denen Nutzer darauf wetten können, ob ein bestimmtes Wort oder ein Thema in einer öffentlichen Rede erwähnt wird. Perez hatte als Teleprompter-Operator den fertigen Redetext in den Händen, bevor Trump das Podium betrat. Ermittler zufolge platzierte er innerhalb von drei Monaten Wetten auf mehr als ein Dutzend Trump-Reden, darunter die Rede zur Lage der Nation im Februar.
Das System hatte jedoch eine strukturelle Schwäche: Trump weicht regelmäßig von seinem vorbereiteten Text ab. Nach eigenen Angaben verlässt er in etwa 80 Prozent der Fälle den Teleprompter. „Wenn man hier raufgeht, geht man ein großes Risiko ein, besonders ich, weil ich zu etwa 80 Prozent vom Teleprompter abweiche“, sagte Trump im Januar bei einer Veranstaltung des Detroit Economic Club. Perez soll daraufhin Wetten während laufender Reden vorzeitig aufgelöst haben, wenn scripted Begriffe nicht fielen.
Kalshi erkennt das Muster und schaltet Behörden ein
Das hauseigene Überwachungsteam von Kalshi erkannte die auffälligen Handelsmuster und meldete den Fall an die zuständige Regulierungsbehörde CFTC. Bobby DeNault, verantwortlich für die Durchsetzung bei Kalshi, erklärte dazu: „Unser Überwachungsteam hat diese Trades umgehend identifiziert und an die CFTC gemeldet. Wir kooperieren vollständig mit den Behörden.“
Manhattaner Staatsanwälte haben auf eine Strafverfolgung verzichtet. Die CFTC könnte sich stattdessen auf einen Vergleich einigen, bei dem Perez seine Gewinne zurückzahlen und derartige Wetten künftig unterlassen müsste. Auffällig: Perez arbeitet weiterhin als Teleprompter-Operator für Trump.
Plattformen verschärfen Kontrollen, Fälle häufen sich
Der Fall offenbart grundlegende Schwachstellen im aufstrebenden Markt für Prognose-Plattformen. Kalshi hat erst vor wenigen Wochen drei neue Integritätsmaßnahmen eingeführt, darunter Risikobewertungen und Beschäftigungsüberprüfungen. Eigenen Angaben zufolge blockierten die Screening-Tools im ersten Quartal 2026 über 100 potenzielle Insidergeschäfte. Im gleichen Zeitraum leitete die Plattform mehr als 150 Untersuchungen ein und erstattete in über 20 Fällen Anzeige bei Strafverfolgungsbehörden.
Der Fall Perez ist kein Einzelfall. Das US-Justizministerium wirft einem Soldaten der US-Armee vor, auf der Konkurrenzplattform Polymarket mithilfe von Geheimdienstinformationen über den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro aus 33.000 US-Dollar rund 410.000 US-Dollar gemacht zu haben. Auch traditionelle Finanzinstitute reagieren: Goldman Sachs hat seinen Mitarbeitern Wetten auf Kalshi und Polymarket inzwischen eingeschränkt.
Regulatorische Fragen bleiben offen
Der Fall wirft eine grundsätzliche Frage auf, die Regulierer und Plattformen gleichermaßen beschäftigt: Können technische Überprüfungen und Beschäftigungskontrollen verhindern, dass jemand handelt, der den Redetext liest, bevor die Märkte davon erfahren? Das Weiße Haus hatte seine Mitarbeiter im März ausdrücklich davor gewarnt, auf Basis von Insider-Informationen zu wetten. Eine verbindliche Lösung steht bislang aus.



