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Strafanzeige gegen Circle rückt USDC-Einfrierpraxis in den Fokus

Der Fall: Romanze, Betrug und ein verweigerte Anordnung

Ausgangspunkt ist ein sogenannter Romance-Scam im Walworth County. Ein nur als „Victim #1“ bezeichnetes Opfer wurde dazu gebracht, rund 381.000 USDC an eine gefälschte Investmentplattform zu überweisen. Ermittler konnten die Mittel zurückverfolgen, woraufhin ein Gericht Circle anwies, das betreffende Wallet einzufrieren. Dieser Anordnung kam das Unternehmen ohne Verzögerung nach. In einem zweiten Schritt ordnete das Gericht an, dass Circle die eingefrorenen Token vernichten und denselben Betrag als neue USDC an das Walworth County Sheriff’s Office ausschütten solle. Circle lehnte ab. Das Unternehmen erklärte, es besitze nicht die technische Möglichkeit, USDC in fremden Wallets zu verbrennen und neu auszugeben. Die Staatsanwaltschaft reagierte mit einer Strafanzeige, einem für ein Unternehmen dieser Größe ungewöhnlichen Schritt. Circle beantragte daraufhin die Einstellung des Verfahrens und verwies auf fehlende Zuständigkeit des Gerichts sowie auf alternative Entschädigungsvorschläge, die von der Staatsanwaltschaft ignoriert worden seien.

Kritik aus New York und der Vorwurf des finanziellen Eigeninteresses

Der Wisconsin-Fall steht nicht allein. Staatsanwälte aus New York informierten US-Senatoren, dass Circle grundsätzlich Gerichtsanordnungen voraussetze, bevor Wallets eingefroren werden, und gestohlene Mittel nach gerichtlicher Freigabe nicht konsequent zurückerstatte. Da Stablecoin-Transaktionen innerhalb von Sekunden abgeschlossen sind, gehe wertvolle Zeit verloren, bevor rechtliche Schritte greifen können. New Yorker Staatsanwälte erhoben zudem einen schwerwiegenderen Vorwurf: Circle verdiene weiterhin Zinsen auf die Reservevermögen, die eingefrorene USDC besichern, und habe daher wenig finanziellen Anreiz, diese Gelder zügig zurückzuführen. Circle wies diese Darstellung zurück. Blockchain-Forscher Yury Serov schätzt, dass derzeit mindestens 119 Millionen USDC eingefroren sind.

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Circle versus Tether: Eine dreißigfache Lücke

Der Vergleich mit Tether verdeutlicht das Ausmaß der Unterschiede. Laut Daten von AMLBot fror Tether zwischen 2023 und 2025 rund 3,3 Milliarden US-Dollar in USDT in mehr als 7.200 Wallets ein. Circle hingegen fror im selben Zeitraum etwa 109 Millionen US-Dollar in USDC ein, ein Verhältnis von etwa 1 zu 30. Tether setzt zudem ein Verfahren ein, bei dem gestohlene Token vernichtet und saubere Ersatz-Token an Strafverfolgungsbehörden oder Opfer ausgegeben werden. Nach eigenen Angaben hat Tether bislang rund 1,1 Milliarden US-Dollar neu ausgegeben und 4,7 Milliarden US-Dollar mit Bezug zu illegalen Aktivitäten eingefroren. Circle bietet diesen Prozess für Drittparteien-Wallets bisher nicht öffentlich an, obwohl interne Gerichtsdokumente zeigen, dass das Unternehmen ähnliche Vereinbarungen mit Bundesbehörden besprochen hat.

Technische Möglichkeiten und offene Fragen

Joshua Cooper-Duckett vom Unternehmen Cryptoforensic Investigators erklärte gegenüber dem ICIJ, Circle könnte seine Smart Contracts so anpassen, dass ein Verbrennen und Neuausgeben von Token in Drittparteien-Wallets möglich wäre. Circle ließ entsprechende Fragen unbeantwortet. Circle begründet seine restriktive Haltung damit, Nutzer vor ungerechtfertigten oder politisch motivierten Einfrierungen zu schützen. Kritiker entgegnen, dass dieser Ansatz Betrügern in die Hände spiele. Detektiv Scott Simons aus Milwaukee County berichtete dem ICIJ, er habe in mehr als einem Dutzend Fällen erlebt, dass Circle frühe Einfrieranfragen ablehnte oder Gerichtsanordnungen zu spät eintrafen. In vielen Fällen sei das Geld schlicht verschwunden.

Felix Vaider

Felix Vaider analysiert den Kryptomarkt und erklärt, wie Kursbewegungen, Handelsstrategien und makroökonomische Faktoren den Markt beeinflussen. Er hat Erfahrung im Finanzwesen und algorithmischen Handel. Seine Artikel liefern datenbasierte Einblicke für Anleger, die Bitcoin, Altcoins und Marktdynamiken verstehen wollen.

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