Vitaliks schlanke Ethereum-Roadmap stößt auf Kritik

Was Lean Ethereum konkret verändern soll
Im Mittelpunkt der geplanten Umstrukturierung stehen rekursive STARKs. Dieses kryptografische Beweissystem soll die Blockchain künftig verifizieren, ohne dass jeder Netzwerkknoten Transaktionen erneut ausführen muss. Buterin möchte diese Beweise als festen Bestandteil des Kernprotokolls verankern. Ebenfalls auf der Agenda steht Quantensicherheit: Bestehende, quantenanfällige Kryptografie soll durch hashbasierte Verfahren ersetzt werden, die auch dem Einsatz von Quantencomputern standhalten. Dieser Schritt orientiert sich an den 2024 finalisierten Post-Quanten-Standards des US-amerikanischen Normungsinstituts NIST.
Die weitreichendste Änderung betrifft die Datenspeicherung. Buterin plant einen neuen, restriktiven Zustandstyp, der bis 2030 auf bis zu 100 Terabyte skalieren soll. Für ERC-20-Token oder NFTs, die in dieses Format migriert werden, könnten die Transaktionsgebühren laut dem Entwurf um mehr als das Zehnfache sinken. Komplexere Anwendungen wie dezentrale Börsen sollen vorerst unverändert bleiben. Darüber hinaus soll Datenschutz im Protokoll erstmals als zentrales Ziel behandelt werden. Kurzfristig soll das bevorstehende Glamsterdam-Upgrade das Gaslimit erhöhen.
Interne Kritik am Zeitplan
Trotz Zustimmung zur inhaltlichen Vision stieß der geplante Zeitraum von drei bis vier Jahren auf Widerspruch, und zwar aus den eigenen Reihen. Dankrad Feist, Forscher bei der Ethereum Foundation und bekannt durch seine Arbeiten zur Datenskalierung, äußerte sich skeptisch gegenüber dem Tempo. „Fully proven STF and scaling to Gigagas with finality in seconds gets me excited! But 3-4 years is very slow. I think we should be ambitious and get it done in ~1 year. I think this is realistically possible now with LLMs“, schrieb Feist. Der Strawmap selbst räumt ein, dass KI-gestützte Forschung den Zeitplan verkürzen könnte, geht aber zunächst von menschenzentrierter Entwicklung aus.
Andere Stimmen mahnten zu Zurückhaltung bei der Kommunikation. Matt Liston schrieb, zwei Jahre seien zwischen möglich und wahrscheinlich, es sei jedoch aus Kommunikationssicht unverantwortlich, eine Erwartung von ein bis zwei Jahren zu wecken. Der Gegeneinwand lautete, dass zu niedrige Erwartungen lediglich zu geringeren Ergebnissen führten.
Kontext: Personalabbau und Marktlage
Die Roadmap erscheint zu einem angespannten Moment für die Ethereum Foundation. In den Wochen vor der Veröffentlichung strich die Organisation rund 20 Prozent ihrer Stellen, was 54 Positionen entspricht, und stellte ihr Budget auf ein schlankeres Stiftungsmodell um. Buterin bezeichnete den bevorstehenden Hegoták-Fork als voraussichtlich letzten vor Beginn der Lean-Ära. Der Strawmap gilt weiterhin als Entwurf und nicht als verbindlicher Zeitplan.
Am Markt zeigt sich Skepsis. Ethereum hat im Jahr 2026 rund 41 Prozent an Wert verloren und notiert derzeit bei etwa 1.760 US-Dollar. Der Kurs spiegelt wider, dass Investoren auf konkrete Lieferung warten und weniger auf Ankündigungen reagieren.



