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Warum Wall-Street-Analysten Nvidia gegenüber Micron bevorzugen

Die Wall Street zieht eine klare Trennlinie zwischen zwei der größten Profiteure des KI-Booms. Analysten sprechen sich mehrheitlich für Nvidia aus und stufen Micron Technology kurz vor dem Quartalsbericht am 24. Juni als überbewertet ein. Die Einschätzungen der Experten fallen dabei deutlich auseinander.

Kursziele sprechen eine eindeutige Sprache

Nvidia wird derzeit bei rund 210 US-Dollar gehandelt. Die 69 Analysten, die den Titel beobachten, sehen ein durchschnittliches Kursziel von 300 US-Dollar, was einem Aufwärtspotenzial von etwa 43 Prozent entspricht. Bei Micron zeigt sich das gegenteilige Bild. Die Aktie notiert bei rund 1.133 US-Dollar, doch die 49 zuständigen Analysten beziffern den fairen Wert auf lediglich 949 US-Dollar. Das entspricht einer Überbewertung von rund 16 Prozent gegenüber dem aktuellen Kurs.

Warum Analysten auf Nvidia setzen

Die Argumente für Nvidia sind gewichtig. Der Konzern kontrolliert mehr als 90 Prozent der weltweit genutzten Rechenkapazität für KI-Training. Im ersten Fiskalquartal erzielte Nvidia einen Umsatz von 81,6 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg von 85 Prozent im Jahresvergleich. CEO Jensen Huang kündigte gegenüber Analysten an, dass die neue GPU-Plattform Vera Rubin noch in diesem Jahr ausgeliefert wird und sofort von allen großen KI-Unternehmen übernommen werden soll.

Trotz des enormen Kurswachstums von mehr als 1.000 Prozent in den vergangenen fünf Jahren gilt Nvidia nach Einschätzung von Analysten nicht als teuer. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei 32, dem niedrigsten Wert seit sieben Jahren. Das bereinigte Gewinnwachstum wird bis zum Fiskaljahr 2029 auf durchschnittlich 43 Prozent jährlich geschätzt.

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Strukturelle Schwäche bei Micron

Die Zurückhaltung der Analysten gegenüber Micron hat einen grundlegenden Grund. Speicherchips gelten als Commodities, also weitgehend austauschbare Produkte ohne dauerhaften Wettbewerbsvorteil für einzelne Hersteller. In der jüngsten Berichtsperiode gewannen die Marktführer Samsung und SK Hynix Marktanteile bei DRAM und NAND auf Kosten von Micron. Ihre größere Produktionskapazität verschafft ihnen einen strukturellen Vorteil.

Hinzu kommt ein zeitliches Argument. Der Boom bei HBM-Speicher (High Bandwidth Memory), von dem Micron derzeit profitiert, soll laut Analysten um 2028 seinen Höhepunkt erreichen. Danach werden die Absätze voraussichtlich deutlich zurückgehen. Bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 48 und einem prognostizierten bereinigten Gewinnwachstum von nur 13 Prozent jährlich bis 2029 gilt die aktuelle Bewertung als gestreckt im Vergleich zu Nvidias günstigerem Multiplikator und stärkerem Wachstumsausblick.

Quartalsbericht als kurzfristiger Faktor

Microns Quartalsbericht am 24. Juni könnte einzelne Kursziele verschieben. An der strukturellen Einschätzung der Wall Street dürfte ein einzelnes Quartal jedoch wenig ändern. Der fundamentale Unterschied zwischen einem monopolähnlichen KI-Infrastrukturanbieter und einem zyklischen Speicherchiphersteller bleibt bestehen und prägt die Analysteneinschätzungen auf absehbare Zeit.

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