3 echte Gründe für BitMEX‘ Niedergang – wer kommt als nächstes?

Marktanteil auf fast null geschrumpft
BitMEX startete 2014 und prägte den Kryptohandel nachhaltig. Das Unternehmen erfand den Perpetual Swap, einen Kontrakt ohne Verfallsdatum, den später nahezu jeder Konkurrent kopierte. Doch der Vorsprung schmolz schnell dahin. Im August 2023 belegte BitMEX laut CoinGecko-Daten Platz neun unter den Derivatebörsen mit einem Marktanteil von lediglich 0,9 Prozent. Binance hielt zu diesem Zeitpunkt 47,4 Prozent. Der Absturz setzte sich fort: Der Marktanalysedienst Kaiko bezifferte den Anteil zuletzt auf unter 0,01 Prozent. Das tägliche Handelsvolumen lag laut Reuters bei rund 400.000 US-Dollar. Händler folgen der Liquidität, und die war längst woanders.
Kein Käufer, zu viel Gepäck
Eine geschwächte Börse kann verkauft werden. BitMEX fand keinen Abnehmer. Dem Krypto-Forscher Hasu zufolge, der das Unternehmen nach eigenen Angaben seit 2018 verfolgt, suchte BitMEX ab Februar 2025 aktiv nach einem Käufer. Zu einem Abschluss kam es nie.
Der Grund liegt in der Rechtsgeschichte des Unternehmens. US-Behörden klagten BitMEX und seine Gründer 2020 wegen unzureichender Geldwäschekontrollen an. Alle vier Gründer bekannten sich schließlich schuldig. Ein Vergleich mit zwei US-Aufsichtsbehörden kostete 2021 insgesamt 100 Millionen US-Dollar. Im Januar 2025 folgten weitere 100 Millionen US-Dollar an Strafzahlungen sowie zwei Jahre Bewährung für das Unternehmen. Im März 2026 begnadigte US-Präsident Donald Trump die Gründer. Für potenzielle Käufer blieb das Gesamtpaket aus juristischem Erbe und schwindendem Geschäft unattraktiv.
Ein Versicherungsfonds als goldene Fessel
Der dritte und möglicherweise tiefste Grund liegt im hauseigenen Versicherungsfonds. Jede Derivatebörse unterhält einen solchen Puffer, der einspringt, wenn Verluste einer Position nicht vollständig gedeckt sind. BitMEX baute einen der größten der Branche auf. Auf dem Höhepunkt im Oktober 2021 enthielt der Fonds knapp 37.795 Bitcoin. Derzeit hält er noch rund 3.694 Bitcoin sowie etwa 30,8 Millionen US-Dollar in Tether, also etwa 90 Prozent weniger als zum Höchststand.
Trotz des Rückgangs war der Fonds im Verhältnis zur Marktgröße außergewöhnlich gut gepolstert. Die Absicherung entsprach dem 0,88-fachen der offenen Positionen. Bei Binance lag dieser Wert bei lediglich 0,11. Analysten bewerten das verbleibende Vermögen auf rund 270 Millionen US-Dollar. Hasu schrieb dazu: „Es begann als goldene Gans und wurde zur Schlinge.“ Der Fonds war zu groß, um einen Verkauf zu marktüblichen Konditionen attraktiv zu machen, und zu bedeutend, um ihn einfach aufzulösen. Wohin die Mittel nach der Abwicklung fließen, haben weder BitMEX noch Gründer Arthur Hayes bislang erklärt.
Wer könnte als nächstes folgen?
BitMEX kollabierte nicht wie FTX im Jahr 2022. Die Börse schließt geordnet, mit ausreichend Mitteln zur vollständigen Rückzahlung aller Nutzer. Dennoch ist der Abgang eine Warnung. Der Markt konzentriert sich weiter. Im Jahr 2023 kontrollierten die drei größten Börsen bereits rund 78 Prozent des Handels. Gleichzeitig wächst der dezentrale Derivatehandel. Regulierte Konkurrenten wie Kalshi, Kraken und Coinbase drängen verstärkt in das Segment. Kleine Börsen mit hohem Hebel, dünner Kapitaldecke, rechtlichem Ballast und wenig Diversifizierung sind am stärksten gefährdet. Einen Tag nach der Ankündigung der Schließung reichten zudem zwei frühere Nutzer eine Sammelklage ein. Sie werfen BitMEX vor, Zwangsliquidierungen absichtlich herbeigeführt zu haben, um den Versicherungsfonds zu speisen, und fordern rund 623 Bitcoin zurück.



