Intel übertraf Gewinnerwartungen um 1,7 Milliarden Dollar und fiel um 11%, als Cramer bullish wurde

Stärkstes Umsatzwachstum seit fünfzehn Jahren
Intel verzeichnete ein Umsatzwachstum von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das Segment für Rechenzentren und Künstliche Intelligenz wuchs dabei besonders stark: um 59 Prozent auf 6,3 Milliarden Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 42 Cent. Intel-Chef Lip-Bu Tan kommentierte die Ergebnisse mit den Worten: „Unsere Q2-Ergebnisse stellen unser stärkstes Umsatzwachstum seit mehr als fünfzehn Jahren dar.“ Finanzchef Dave Zinsner kündigte zusätzlich höhere Ausgaben für Fabrikausrüstung und Materialien an. Trotz dieser positiven Signale setzte unmittelbar nach Veröffentlichung der Zahlen ein starker Verkaufsdruck ein.
Der Relative Strength Index (RSI) von Intel liegt aktuell bei 29,07. Werte in diesem Bereich gelten als Indikator für übermäßigen Verkaufsdruck und signalisieren, dass eine Aktie kurzfristig überverkauft ist.
AMD fällt ebenfalls, trotz positiver Nachrichten
Auch der Konkurrent AMD konnte sich dem Abwärtstrend nicht entziehen. Das Unternehmen hatte kurz zuvor eine Vereinbarung mit Anthropic über die Lieferung von zwei Gigawatt Chips bekanntgegeben, unterstützt durch eine Investition von fünf Milliarden Dollar. Dennoch verlor AMD 5,49 Prozent. Der RSI des Unternehmens liegt bei 40,99. Wenn beide großen Chip-Aktien gleichzeitig fallen, deutet das in der Regel darauf hin, dass Kapital aus dem gesamten Sektor abgezogen wird. Der Chip-Sektorfonds SOXX handelt derzeit etwa 15,7 Prozent unterhalb seines Juni-Hochs. Scott Rubner, Leiter der Aktienderivate-Strategie bei Citadel Securities, bezeichnete dies als seltenes Signal für den Chipsektor.
Makroökonomischer Druck belastet den Markt
Als wesentlicher Belastungsfaktor gilt das makroökonomische Umfeld. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg auf den höchsten Stand seit Januar. Steigende Anleiherenditen machen Aktien im Vergleich weniger attraktiv, da Investoren sichere Zinserträge bevorzugen. Hinzu kommen Unsicherheiten rund um Ölpreise und geopolitische Spannungen im Nahen Osten. Diese Gemengelage verdrängt sektorspezifische Fundamentaldaten in den Hintergrund.
Der Cramer-Effekt und seine Grenzen
TV-Moderator Jim Cramer veröffentlichte kurz nach den Quartalsergebnissen den Kommentar „Intel’s the one“ auf der Plattform X. Gleichzeitig hatte er sich am selben Morgen generell vorsichtig gegenüber dem Gesamtmarkt geäußert: „Ich kämpfe darum, Gründe zum Kaufen zu finden, und ich habe sicherlich viele Gründe zum Verkaufen“, so Cramer. Als Gründe nannte er Ölpreise, Zinsen und die Lage im Nahen Osten. Die sogenannte inverse Cramer-Theorie, nach der Trades entgegen seinen Empfehlungen profitabel seien, fand in diesem Fall einigen Widerhall. Eine Studie im Fachjournal Management Science ergab, dass Cramers Empfehlungen im Schnitt zu einem Kursanstieg von 2,4 Prozent über Nacht führen, der sich in den Folgewochen aber wieder abbaut. Der Effekt ist vor allem bei kleinen, schwer handelbaren Aktien ausgeprägt. Bei Intel, einem Schwergewicht des Sektors, greifen diese Mechanismen nicht in vergleichbarer Weise.



