Artemis warnt: Robinhoods größter Erfolg könnte sein größtes Risiko sein

Starke Zahlen, fragliche Substanz
Die Robinhood Chain basiert auf Arbitrum und ermöglicht schnellere und günstigere Transaktionen als das Ethereum-Hauptnetz. Zuletzt übertraf die Kette Ethereum kurzzeitig beim Handelsvolumen, bevor sie wieder zurückfiel. Jon Ma, der nach eigenen Angaben bereits 2019 vor dem Börsengang in Robinhood investiert hat, veröffentlichte einen offenen Brief an Robinhood-CEO Vlad Tenev. Darin erkennt er die starken Kennzahlen an: mehr als 300.000 täglich aktive Adressen, annualisierte Gebühreneinnahmen von 40 Millionen US-Dollar sowie ein Total Value Locked von 300 Millionen US-Dollar.
Dennoch warnt Ma eindringlich: Der Großteil des Handelsvolumens entfalle auf spekulative Meme-Tokens, darunter tierische Memes, Vlad-Memes und allgemeine Meme-Coins. Als Beispiele nennt er Cash Cat (CASHCAT) mit einer Marktkapitalisierung von 156 Millionen US-Dollar sowie Robin Hood (FOX), dessen Marktkapitalisierung bei rund 2 Millionen US-Dollar liegt und das sich binnen eines Tages verdoppelte. Ma verweist auf die Meme-Coin-Klasse 2024 auf Coinbases Base-Netzwerk, die von ihren Hochpunkten um 99 Prozent gefallen sei. Auch die GameStop-Krise von 2021, die Tenev zur Aussage vor dem US-Kongress zwang, führt er als mahnendes Beispiel an.
Kritik und Gegenargumente
„Meme-Coins bringen Menschen Verluste und zerstören Vertrauen. Bitte baut keine Meme-Coin-Kette“, schreibt Ma in seinem offenen Brief. Der Analyst sieht das Potenzial der Kette in ihrem eigentlichen Zweck gefährdet, sollte die frühe Prägung durch spekulative Token anhalten.
Nicht alle teilen diese Skepsis. Krypto-Analyst Miles Deutscher bezeichnete die Robinhood Chain als eine der überzeugendsten Krypto-Narrative des vergangenen Jahres. Trader Bark argumentiert, die Meme-Welle zeige voraus, was passiert, wenn Robinhoods eigentliche Kundenbasis die Blockchain betritt. Ma selbst beziffert diese Basis in seinem Brief auf 27 Millionen finanzierte Konten. „Tens of millions of people are one app update away from participating in memes for the first time“, heißt es in dem Zusammenhang.
Arbitrum profitiert, Ethereum geht leer aus
Arbitrum gab bekannt, dass die Robinhood Chain in den ersten sieben Tagen mehr als 800.000 US-Dollar an Einnahmen generierte, was einer Jahresrate von rund 42 Millionen US-Dollar entspricht. Zehn Prozent dieser Nettoumsätze fließen in das Arbitrum-Ökosystem. Der ARB-Token legte in der Berichtswoche um 16 Prozent zu. Ethereum hingegen profitiert von diesen Einnahmen kaum, was unter Analysten bereits kontrovers diskutiert wird.
Coinbase-CEO Brian Armstrong sprach sich in der laufenden Debatte für nutzerorientierte, positive Anwendungsfälle aus und nannte Nutzer und Liquidität den stärksten Burggraben eines Netzwerks. Grayscale-Research stellte fest, dass der Markt inzwischen stärker auf fundamentale Faktoren als auf Meme-Spekulation reagiere. Ob die Meme-Coins letztlich als Einstiegspunkt oder als Ablenkung gelten, dürfte sich erst zeigen, wenn Robinhood seine Hauptanwendung vollständig mit der Kette verbindet.



