US-Inflation sank dank günstigem Benzin, doch die Erholung verblasst bereits

Benzin als wichtigster Preistreiber im Juni
Der Rückgang der Benzinpreise um 12 Prozent im Juni war für nahezu zwei Drittel des Rückgangs der Erzeugerpreise für Endgüter verantwortlich, der insgesamt 1,4 Prozent betrug. Ohne den Energieeffekt wären die Produzentenpreise leicht gestiegen. Der Erzeugerpreisindex fiel im Juni um 0,3 Prozent, der Verbraucherpreisindex um 0,4 Prozent. Der PPI auf Jahresbasis sank auf 5,5 Prozent und blieb damit unter der Erwartung von 6,2 Prozent. Der Kern-PPI fiel auf 4,7 Prozent, während der monatliche PPI mit minus 0,3 Prozent den stärksten Rückgang seit April 2025 verzeichnete.
Die Preisentlastung setzte sich durch die Lieferketten fort. Verarbeitete Vorleistungsgüter verbilligten sich laut dem Bureau of Labor Statistics um 1,2 Prozent, Rohstoffe sogar um 4,1 Prozent. Dienstleistungen zeigten sich widerstandsfähiger: Handelsspannen legten um 0,4 Prozent zu, und die Kernerzeugerpreise stiegen gegenüber dem Vormonat um 0,2 Prozent. Die Energieentlastung war maßgeblich auf das Islamabad-Memorandum zurückzuführen, einen Waffenstillstand vom 17. Juni, der den US-Iran-Konflikt vorübergehend pausierte. Brent-Rohöl, das während des ersten Kriegsmonats um 63 Prozent gestiegen war und Ende März 118 US-Dollar erreicht hatte, fiel bis zum 1. Juli auf 70 US-Dollar zurück.
Hormus-Blockade verändert die Energielage erneut
Das fragile Gleichgewicht zerbrach am 8. Juli, als der Waffenstillstand nach angeblichen iranischen Angriffen auf Handelsschiffe kollabierte. Präsident Donald Trump kündigte daraufhin eine erneute Seeblockade an. Das US-Zentralkommando gab an, dass die Blockade am darauffolgenden Dienstag um 16 Uhr Ortszeit in Kraft trat. Brent-Rohöl stieg allein am Montag um 9,6 Prozent und wurde am Mittwoch bereits über 85 US-Dollar gehandelt. Seit dem Wiedererstarken des Konflikts legte Brent innerhalb einer Woche um 18 Prozent zu.
Die Straße von Hormus ist für etwa ein Fünftel des weltweiten Ölhandels von zentraler Bedeutung. MarineTraffic verzeichnete von Freitag bis Sonntag lediglich 57 Transits, was einem Rückgang von mehr als 50 Prozent gegenüber der Vorwoche entspricht. Vor Kriegsbeginn im Februar passierten täglich rund 130 Schiffe die Meerenge. Das US-Energieministerium widersprach dem Bild einer Versorgungsknappheit und verwies darauf, dass am Sonntag mit militärischer Unterstützung 8,5 Millionen Barrel die Straße passierten, was dem üblichen Durchschnitt entspreche. Gleichzeitig warnt die Analytikerin June Goh von Sparta Commodities, dass der bisherige Puffer durch einen Mini-Angebotsüberschuss nun verschwunden sei. Zusätzlich befinde sich die Strategische Erdölreserve der USA auf dem niedrigsten Stand seit 1983.
Folgen für die US-Notenbank
Fed-Chef Kevin Warsh, seit Mai im Amt, erklärte dem Kongress in dieser Woche, eine dauerhaft erhöhte Inflation nicht zu tolerieren. Derzeit preisen die Märkte eine Wahrscheinlichkeit von 87,7 Prozent für eine Zinspause am 29. Juli ein. Ein erneuter Ölpreisschock könnte jedoch die Wetten auf weitere Zinserhöhungen wieder aufleben lassen. Benzin liegt trotz der jüngsten Entspannung noch immer rund 43 Prozent über dem Vorjahresniveau. TD-Securities-Stratege Bart Melek hält Ölpreise von 100 US-Dollar für möglich, sollten reale Versorgungsengpässe eintreten. David Russell, globaler Leiter der Marktstrategie bei TradeStation, brachte es gegenüber der Nachrichtenagentur AP auf den Punkt: Energie habe im Juni die Lage gerettet, doch diese Erleichterung könnte rasch zur Vergangenheit werden, wenn die Straße von Hormus nicht bald wieder uneingeschränkt geöffnet werde.



