FTX-Kunden erhalten bis zu 120 % in neuer 900-Millionen-Dollar-Auszahlung

Wer bekommt wie viel?
Die Auszahlung folgt dem gerichtlich genehmigten Insolvenzplan von FTX und richtet sich an Inhaber zugelassener Forderungen in den sogenannten Convenience- und Non-Convenience-Klassen, die alle Voraussetzungen vor der Ausschüttung erfüllt haben. Das Geld stammt aus dem FTX Recovery Trust, dem Team, das die abgewickelte Börse auflöst. Gläubiger sollen ihre Zahlungen innerhalb von einem bis drei Werktagen erhalten. Die Aufteilung gestaltet sich wie folgt:
- Internationale Kunden erhalten neun Prozent mehr und erreichen damit insgesamt 105 Prozent ihrer Forderung.
- US-Kunden erhalten fünf Prozent mehr, ebenfalls auf insgesamt 105 Prozent.
- Andere Gläubigergruppen kommen auf insgesamt 103 Prozent.
- Inhaber kleinerer Forderungen unter 50.000 US-Dollar, die bislang noch keine Zahlung erhalten haben, bekommen sogar 120 Prozent.
Warum gibt es mehr als 100 Prozent?
Eine vollständige Rückzahlung plus Zinsen ist im Insolvenzrecht äußerst selten. Die meisten zusammengebrochenen Kryptobörsen zahlen nur einen Bruchteil der Forderungen zurück. Im Fall von FTX wurde zunächst der vollständige Forderungsbetrag erstattet, anschließend kommen Zinsen hinzu. Der Zinssatz beträgt neun Prozent jährlich, gerechnet ab dem Zusammenbruch der Börse im November 2022 unter Gründer Sam Bankman-Fried.
Der höhere Aufschlag von neun Prozent für internationale Kunden schließt eine bisherige Lücke. Diese Gruppe hatte in früheren Ausschüttungsrunden hinter US-Kunden zurückgelegen und sah sich teilweise mit Problemen bei ausländischen Forderungen konfrontiert.
Bisheriger Stand der Abwicklung
Die fünfte Ausschüttung ist nicht die erste. Vier frühere Runden haben bereits rund 10 Milliarden US-Dollar ausgezahlt, darunter eine Zahlung von 2,2 Milliarden US-Dollar im März. Die Abwicklung wird von Restrukturierungsexperte John Ray III geleitet, der insgesamt mehr als 14 Milliarden US-Dollar eingesammelt hat. Dazu zählt unter anderem der Verkauf einer Beteiligung am KI-Unternehmen Anthropic für rund 1,3 Milliarden US-Dollar. Diese Anteile wären heute deutlich mehr wert.
Eine Besonderheit betrifft bevorzugte Aktionäre: Sie erhalten am 31. Juli eine zweite Zahlung in Höhe von 18 Millionen US-Dollar, womit sich ihre Gesamtsumme auf 95 Millionen US-Dollar beläuft. Aktionäre gehen in Insolvenzverfahren in der Regel leer aus.
Einschränkungen und Ausblick
Trotz der hohen Rückzahlungsquoten gibt es einen wesentlichen Vorbehalt: Die Forderungen wurden auf Basis der Kryptopreise von 2022 bewertet. Da der Kryptomarkt seitdem erheblich gestiegen ist, haben viele Gläubiger, die ihr Geld in bar zurückerhielten, gegenüber dem Halten der ursprünglichen Vermögenswerte einen Verlust erlitten.
Einen Termin oder eine Summe für die sechste Ausschüttung hat FTX bislang nicht bekanntgegeben. Gekaufte Forderungen, etwa über FTX-Forderungsmärkte, müssen zudem 21 Tage warten, bevor sie anspruchsberechtigt sind. FTX warnt außerdem ausdrücklich vor Betrugsversuchen und betont, dass das Unternehmen Nutzer niemals auffordern wird, eine Wallet zu verbinden.



