Krypto-Börse Kraken will in Europa zur Bank werden

Litauen als strategischer Standort
Litauen hat sich in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Fintech- und Krypto-Regulierungsstandort innerhalb der Europäischen Union entwickelt. Das baltische Land gilt als vergleichsweise offen gegenüber innovativen Finanzunternehmen und bietet gleichzeitig den Zugang zum europäischen Binnenmarkt. Eine dort erworbene Banklizenz würde es Kraken ermöglichen, ihre Dienstleistungen über das sogenannte EU-Passporting-Prinzip in allen Mitgliedstaaten anzubieten, ohne in jedem Land einzeln eine Zulassung beantragen zu müssen.
Was eine Banklizenz bedeuten würde
Mit einer vollständigen Banklizenz könnten Kryptobörsen wie Kraken weit über das klassische Handelsgeschäft hinausgehen. Zu den möglichen Angeboten zählen die Vergabe von Krediten, die Entgegennahme von Einlagen sowie weitere regulierte Bankdienstleistungen. Für Kunden hätte dies den Vorteil, dass sie Krypto- und traditionelle Bankdienstleistungen aus einer Hand erhalten könnten. Gleichzeitig unterlägen diese Unternehmen dann der strengen Bankenaufsicht, einschließlich Eigenkapitalanforderungen und Einlagensicherungspflichten.
Kryptobörsen auf dem Weg zur Bank
Der Vorstoß von Kraken steht nicht allein. Mehrere große Kryptounternehmen haben in den letzten Jahren versucht, traditionelle Banklizenzen zu erlangen, um ihre Marktstellung zu stärken und das Vertrauen institutioneller Kunden zu gewinnen. Der Weg zu einer solchen Lizenz ist jedoch in der Regel langwierig und mit erheblichem regulatorischem Aufwand verbunden. Aufsichtsbehörden prüfen Bewerber eingehend hinsichtlich Kapitalausstattung, Governance-Strukturen und Geldwäscheprävention.
Regulatorischer Rahmen in Europa
In der Europäischen Union hat die Einführung der MiCA-Verordnung, der Markets in Crypto-Assets Regulation, den regulatorischen Rahmen für Kryptounternehmen grundlegend verändert. MiCA schafft erstmals einheitliche EU-weite Regeln für den Kryptomarkt. Eine Banklizenz geht jedoch noch darüber hinaus und unterliegt dem klassischen Bankenrecht, das in Europa durch die Kapitaladäquanzrichtlinie und die Europäische Zentralbank beziehungsweise die nationalen Aufsichtsbehörden geregelt wird. Für Kraken wäre eine solche Lizenz damit ein bedeutender Schritt in Richtung eines vollständig regulierten Finanzinstituts.
Ausblick
Ob und wann Kraken die Banklizenz in Litauen tatsächlich beantragen oder erhalten wird, ist derzeit nicht bekannt. Die Pläne befinden sich nach aktuellem Stand noch in einer frühen Phase. Für den europäischen Kryptomarkt wäre ein solcher Schritt dennoch ein Signal, dass etablierte Kryptobörsen zunehmend den Weg in das traditionelle Bankensystem suchen.


