Wie viel Steuer würde Elon Musk bei diesem US-Gesetzentwurf zahlen?

Das Prinzip der Steuerfreiheit auf Buchgewinne
In den USA werden Kursgewinne auf Aktien erst dann besteuert, wenn diese tatsächlich verkauft werden. Milliardäre wie Musk nutzen dabei eine Strategie, die als „Buy, Borrow, Die“ bekannt ist: Sie kaufen Aktien, nehmen Kredite auf deren Basis auf, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren, und zahlen so niemals Kapitalertragsteuer. ProPublica berichtete, dass Musk zwischen 2014 und 2018 rund 455 Millionen Dollar auf 1,52 Milliarden Dollar Einkommen zahlte und 2018 überhaupt keine Bundeseinkommensteuer entrichtete. Gemessen am Wachstum seines Vermögens bezifferte ProPublica seinen tatsächlichen Steuersatz auf etwa 3 Prozent.
Neue Gesetzentwürfe im Überblick
Senator Ron Wyden hat den sogenannten Billionaires Income Tax eingebracht, der bereits mehr als 20 Mitunterzeichner hat. Das Gesetz würde handelbare Vermögenswerte wie Aktien jährlich zum Marktwert bewerten und zum langfristigen Kapitalertragsteuersatz besteuern. Der geltende Höchstsatz beträgt 23,8 Prozent, zusammengesetzt aus dem Kapitalertragsteuersatz von 20 Prozent und der Nettoinvestitionseinkommensteuer von 3,8 Prozent. Für nicht handelbare Vermögenswerte wie Immobilien oder private Unternehmen würde zusätzlich eine Aufschubverzinsung erhoben, wobei die Gesamtbelastung bei 49 Prozent des Gewinns gedeckelt wäre.
Senator Elizabeth Warren hat im März den Ultra-Millionaire Tax Act neu eingebracht. Er sieht eine jährliche Steuer von 2 Prozent auf jedes Dollar Nettovermögen über 50 Millionen Dollar vor, sowie 3 Prozent auf jeden Dollar über einer Milliarde Dollar. Zusätzlich werden kalifornische Wähler im November über den California Billionaire Tax Act abstimmen, der eine einmalige Steuer von 5 Prozent auf Nettovermögen über einer Milliarde Dollar vorsieht. Die unterstützende Koalition signalisierte jedoch Kompromissbereitschaft bei einem reduzierten Satz von 2 Prozent.
Was Musk konkret zahlen würde
Nach einem Kursrückgang von 24 Prozent seit dem Höchststand am 16. Juni bezifferte Forbes Musks Vermögen am 26. Juni auf rund 945 Milliarden Dollar. Auf dieser Basis ergeben sich hypothetische Steuerbelastungen:
- Warren-Steuer: rund 28,3 Milliarden Dollar pro Jahr
- Wyden-Steuer: rund 220 Milliarden Dollar im ersten Jahr als Nachholbetrag, zahlbar über fünf Jahre; in Folgejahren abhängig vom jährlichen Wertzuwachs
- Kalifornische Steuer (5 Prozent): rund 47 Milliarden Dollar einmalig
- Kalifornische Steuer (Kompromiss 2 Prozent): rund 19 Milliarden Dollar
Praktische Grenzen der Besteuerung
Die Umsetzung solcher Steuermodelle stößt auf erhebliche praktische Hürden. Musks Vermögen ist hochvolatil: Ein Rückgang von 24 Prozent vom Höchststand bedeutet, dass in einem schlechten Jahr keine Steuer anfallen würde und Verluste vorgetragen werden könnten. Hinzu kommt ein Liquiditätsproblem, da sein SpaceX-Anteil aktuell einer Sperrfrist unterliegt und nicht frei verkauft werden kann. Zudem zeigen Beispiele aus den Niederlanden und Südkorea, dass vergleichbare Vorhaben auf starken politischen Widerstand stoßen. In den Niederlanden musste die geplante Besteuerung unrealisierter Gewinne zum Satz von 36 Prozent bereits kurz nach der Verabschiedung im Unterhaus überarbeitet werden. Musk lebt in Texas, einem Staat ohne Einkommensteuer, und keine der genannten Initiativen ist bislang geltendes Recht.



