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Brent-Rohöl verliert gesamte Kriegsprämie und fällt 40 % auf Vorkriegsniveau

Rückkehr in den mehrjährigen Abwärtskanal

Der Wochenchart zeigt das Gesamtbild deutlich. Brent-Rohöl handelte seit Ende 2023 innerhalb eines absteigenden parallelen Kanals. Diese Struktur prägte den Markt über mehr als zwei Jahre. Das obere Band des Kanals wies den Preis in 2024 und Anfang 2026 viermal zurück und beendete jeweils Erholungsversuche. Mit der Eskalation des Iran-US-Konflikts und den damals noch laufenden Doha-Verhandlungen brach der Kurs aus diesem Kanal nach oben aus. Brent stieg in eine Verteilungszone zwischen 104 und 114 US-Dollar und erreichte einen Höchststand von knapp 120 US-Dollar.

Dieser gesamte Anstieg ist inzwischen vollständig rückgängig gemacht worden. Der Wochenchart verzeichnet einen Rückgang von 40,02 Prozent vom Höchststand. Öl ist in die Akkumulationszone zwischen rund 60 und 72 US-Dollar zurückgefallen. Das obere Band des Kanals liegt nun direkt unterhalb des aktuellen Kursniveaus und könnte von einem früheren Widerstand zu einer Unterstützung werden.

Täglicher Dreiecksausbruch und überkauftes RSI-Signal

Der Tageschart liefert ein komplizierteres Bild. Nach dem Märzhoch bildete Brent-Rohöl ein symmetrisches Dreieck, das sich in Richtung eines Scheitelpunkts bei rund 108 US-Dollar zusammenzog. Das Muster löste sich nach unten auf. Der Ausbruch erfolgte Ende Mai, als die Kriegsängste rund um die Hormuz-Schifffahrtsrouten nachließen, und führte zu einem nahezu senkrechten Kursrückgang. Der Relative-Stärke-Index auf Tagesbasis ist unter 30 gefallen. Das ist die erste überkaufte Lesart seit April 2025 und signalisiert stark negatives Momentum. Historisch gehen solche extremen Werte häufig einer Kurspause oder einer Gegenbewegung voraus.

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Entscheidende Unterstützungszone zwischen 68 und 72 US-Dollar

Beide Zeitrahmen konvergieren an einem einzigen Entscheidungspunkt. Das obere Wochenband, die tägliche Unterstützungsbasis und eine steigende Trendlinie von den Jahrestiefstständen verlaufen alle zwischen 68 und 72 US-Dollar. Die breiteste Spanne des Dreiecks maß etwa 29 US-Dollar. Der Ausbruch nahe 100 US-Dollar projizierte ein Kursziel von rund 71 US-Dollar, das inzwischen erreicht wurde. Viele Analysten interpretieren dies als Signal, dass ein Großteil des Abwärtspotenzials ausgeschöpft sein könnte.

  • Bulliges Szenario: Hält die Zone zwischen 68 und 72 US-Dollar, könnte sich eine Erholung in Richtung der 80-US-Dollar-Marke öffnen. Ein Tagesschluss über 80 US-Dollar würde den Abwärtsdruck abschwächen.
  • Bärisches Szenario: Ein Tagesschluss unter 68 US-Dollar würde die Unterstützungsthese entkräften. Die nächste Haltelinie liegt nahe 60 US-Dollar.

Fundamentaldaten und geopolitische Risiken im Gleichgewicht

Die weiteren Preisbewegungen hängen von zwei gegensätzlichen Kräften ab. Sinkende US-Lagerbestände und Versorgungswarnungen sprechen für einen Preisboden. Auf der anderen Seite dämpfen eine neue iranische Öllizenz und nachlassende Kriegsrisiken potenzielle Erholungen. Händler haben ihre Aufmerksamkeit bereits von Konfliktrisiken zurück auf Angebot, Nachfrage und das allgemeine Konjunkturumfeld verlagert. Ob Brent in dieser Zone hält oder weiter in Richtung 60 US-Dollar abrutscht, wird maßgeblich vom nächsten Schlagzeilen aus dem Nahen Osten abhängen.

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