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Fed-Zinsentscheid: 104 Ökonomen gegen eine 36-%-Erhöhungswette

Ökonomen gegen Märkte: Woher kommt der Graben?

Der Leitzins der Fed liegt seit vier Sitzungen in Folge zwischen 3,50 und 3,75 Prozent. Der FactSet-Konsens sieht keine Änderung. Die Reuters-Umfrage unter 104 Ökonomen Mitte Juli ergab dasselbe Bild: Alle 104 Befragten sprachen sich für eine Pause aus, 78 davon erwarteten bis Dezember keinerlei Bewegung. Die Terminmärkte erzählen eine andere Geschichte. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung lag laut Fed-Funds-Futures vor einer Woche noch bei 13 Prozent, stieg bis Freitag auf 38 Prozent und liegt nun bei rund 36 Prozent.

Analyst The Martini Guy beschreibt die Lage treffend: „Wir erleben derzeit die größte Unentschlossenheit der Märkte hinsichtlich des erwarteten Ergebnisses seit geraumer Zeit.“ Der Widerspruch ist dabei weniger ein echter Dissens als ein methodischer: Ökonomen benennen das wahrscheinlichste Einzelergebnis, Terminmärkte bepreisen alle möglichen Ausgänge gleichzeitig, einschließlich der unwahrscheinlichen.

Fehlende Orientierung durch die Fed selbst

Zur Unsicherheit trägt Fed-Chef Kevin Warsh selbst bei. Er hat aufgehört, Hinweise auf die künftige Zinspolitik zu geben, und die Fed verzichtet bei dieser Sitzung zudem auf neue Projektionen. Warsh begründete das Schweigen so: „Ebenfalls ausgespart ist die sogenannte Forward Guidance, von der wir übereinstimmend befanden, dass sie zur aktuellen geldpolitischen Konstellation nicht gut passt.“ Ohne Prognosen und ohne verbale Orientierungshilfen sind Händler auf Spekulationen angewiesen.

Gregory Daco von EY-Parthenon hält eine Erhöhung im Juli für unwahrscheinlich, gibt dem Restjahr aber eine 60-zu-40-Chance auf eine Anhebung. Der frühere Fed-Gouverneur Larry Meyer erwartet zwar eine Pause, rechnet aber damit, dass die Mitglieder Lorie Logan und Beth Hammack dagegen stimmen werden. Auch das Ökonomen-Panel hat seine Einschätzung gedreht: Wo vor einem Monat noch eine Mehrheit eine Erhöhung in der zweiten Jahreshälfte 2026 für unwahrscheinlich hielt, sieht heute eine Mehrheit dieses Risiko als hoch an.

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Öl, Zölle und steigende Anleiherenditen als Inflationstreiber

Der Auslöser der veränderten Erwartungshaltung ist der Ölpreis. Brent-Rohöl schloss am 23. Juli bei 100,69 Dollar und überstieg damit erstmals seit dem 26. Mai wieder die Marke von 100 Dollar. Im laufenden Monat ist der Preis um mehr als 30 Prozent gestiegen. Teureres Öl befeuert die Inflation direkt über höhere Kraftstoffkosten. Eine Pause bei den Iran-Angriffen am Wochenende hat die Lage etwas entspannt.

Hinzu kommen neue US-Importzölle: Am Freitag wurden Abgaben von 10 und 12,5 Prozent auf Waren aus 60 Handelspartnern eingeführt. Sie ersetzen jene Zölle, die das Oberste Gericht im Februar gekippt hatte. Der Anleihenmarkt reagierte prompt. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen schloss am Freitag bei 4,69 Prozent, dem höchsten Stand seit Januar 2025. Noch aufschlussreicher ist die zweijährige Rendite: Sie endete die Woche bei 4,33 Prozent, also bereits oberhalb der oberen Grenze des Fed-Zinsbandes von 3,75 Prozent.

Was bedeutet das für Bitcoin?

Bitcoin notierte am Montag bei rund 64.915 Dollar, ein Plus von 0,7 Prozent. Das entspricht einem Abstand von rund 49 Prozent zum Allzeithoch von 126.080 Dollar, das im Oktober 2025 erreicht wurde. Sichere Staatsanleihen mit einer Rendite von 4,69 Prozent machen risikoreichere Anlagen weniger attraktiv und haben die Kryptowährung den gesamten Monat über gebremst.

Eine Zinserhöhung wäre die erste seit Juli 2023 und würde drei Jahre mit Pausen und Senkungen beenden. Eine ruhige Beibehaltung könnte dagegen Erleichterung bringen, auch wenn Bitcoin Mitte des Monats bereits bei rund 66.000 Dollar an inflationsbedingten Sorgen gescheitert war. Warsh spricht 30 Minuten nach der Entscheidung. Sein Ton dürfte mehr Marktbewegung auslösen als die Abstimmung selbst, denn eingepreiste Ergebnisse bewegen Märkte selten. Überraschungen schon.

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