JPMorgan warnt vor MicroStrategys neuer Bitcoin-Verkaufspolitik

Strategy erlaubt Bitcoin-Verkäufe zur Dividendenfinanzierung
Der von Michael Saylor geführte Konzern hat intern die Möglichkeit geschaffen, bis zu 1,25 Milliarden US-Dollar in Bitcoin zu verkaufen. Das Kapital soll zur Finanzierung von Dividenden auf Vorzugsaktien sowie für mögliche Aktienrückkäufe verwendet werden. Parallel dazu hat das Unternehmen ein neues Mindestliquiditätsziel definiert: Strategy will künftig ausreichend Reserven halten, um zwölf Monate an Vorzugsdividenden und Zinsaufwendungen abzudecken. Aktuell verfügt das Unternehmen über Reserven von 2,55 Milliarden US-Dollar, was einem Puffer von etwa 17 Monaten entspricht.
JPMorgan warnt vor dem sogenannten „Zwei-Wege-Risiko“
Das Kernproblem aus Sicht der Analysten ist das entstehende Zwei-Wege-Risiko. Dieser Begriff beschreibt eine Situation, in der Kursbewegungen in beide Richtungen potenzielle Verluste für Marktteilnehmer erzeugen können, die dem betroffenen Basiswert ausgesetzt sind. Da Strategy als weltgrößter Bitcoin-Käufer gilt und allein im Jahr 2026 rund 13,7 Milliarden US-Dollar in Bitcoin investiert hat, wirken sowohl Käufe als auch Verkäufe des Unternehmens unmittelbar auf den Gesamtmarkt. Derzeit hält Strategy insgesamt 847.363 Bitcoin.
Die JPMorgan-Analysten empfehlen konkrete Gegenmaßnahmen: Das Unternehmen solle den Liquiditätspuffer auf 24 bis 36 Monate ausweiten und neue Aktien ausgeben, um die Dollarreserven zu erhöhen. Dadurch könnte Strategy signalisieren, dass künftige Bitcoin-Verkäufe nicht notwendig sein werden.
Erster Bitcoin-Verkauf seit 2022 hinterließ Spuren
Die Sorgen der Analysten sind nicht unbegründet. Zwischen dem 26. und 31. Mai verkaufte Strategy 32 Bitcoin für rund 2,5 Millionen US-Dollar. Es war der erste Bitcoin-Verkauf des Unternehmens seit 2022 und ein deutlicher Bruch mit der öffentlich kommunizierten „Never Sell“-Haltung von Michael Saylor. JPMorgan stellte fest, dass dieser Verkauf zu den Kursturbulenzen bei Bitcoin Ende Mai und Anfang Juni beigetragen hat. Zudem erhöhe stärkere Preisvolatilität mittelbar die Kosten für zukünftige Eigenkapital- und Fremdfinanzierungen des Unternehmens selbst.
Kursentwicklung von MSTR und Bitcoin unter Druck
Die Marktentwicklung spiegelt die angespannte Lage wider. Die MSTR-Aktie ist im laufenden Jahr um 34 Prozent gefallen und notiert bei 87,09 US-Dollar. Die bevorzugte STRC-Vorzugsaktie verlor 12 Prozent und steht bei 87,09 US-Dollar. Bitcoin selbst handelt 30 Prozent unter seinem Jahresanfangsniveau bei 61.486 US-Dollar.
Mögliche Erholung im zweiten Halbjahr
Trotz der kritischen Einschätzung sehen die JPMorgan-Analysten auch eine mögliche Gegenbewegung. Eine Erholung im zweiten Halbjahr sei denkbar, wenn zwei Bedingungen erfüllt werden: Strategy muss seine Dollarreserven ausbauen, und die USA müssen den sogenannten CLARITY Act verabschieden, der institutionellen Kapitalflüssen in den Kryptomarkt den Weg ebnen soll. Ob und wann diese Bedingungen eintreten, bleibt offen.



