Solana : Alpenglow senkt Finalität auf 150 Millisekunden
Ethereum, Solana und Co. rüsten auf – warum 2026 das Jahr der Protokoll-Revolution werden könnte und was Bitcoin dabei zurückhält

Ethereum: Glamsterdam als bedeutendstes Upgrade seit The Merge
Das Ethereum-Upgrade mit dem Namen Glamsterdam wird bereits auf Devnets getestet und soll in der zweiten Jahreshälfte 2026 auf dem Mainnet starten. Tim Sun, Senior Researcher beim Hongkonger Vermögensverwalter HashKey Group, erklärt, das Upgrade solle die Verarbeitungsgeschwindigkeit erhöhen, die Kapazität ausweiten und die Datenbankgröße reduzieren. Holly Atkinson, Chief Product and Technology Officer bei 1inch, bezeichnet Glamsterdam als Ethereums bedeutendstes Upgrade seit The Merge im September 2022. Ein zentrales Element ist das sogenannte Enshrined Proposer-Builder Separation (ePBS), das die Blockerstellung transparenter und dezentraler gestalten soll. Derzeit kontrolliert eine kleine Gruppe spezialisierter Builder einen Großteil der Transaktionsreihenfolge, was Zensurrisiken und die sogenannte Maximal Extractable Value (MEV) verstärkt. Pavan Kaur, Gründerin von RuleSpark und Richterin der Solana Foundation, warnt allerdings, ePBS löse das Problem nicht vollständig. Praktiken wie Sandwich-Attacken könnten demnach verlagert werden, anstatt zu verschwinden.
Solana: Alpenglow soll Finalität auf 100 bis 150 Millisekunden senken
Solanas größtes Upgrade heißt Alpenglow und gilt als das bedeutendste Konsens-Upgrade in der Geschichte des Netzwerks. Nach einer überwältigenden Zustimmung im Governance-Prozess im September 2025 soll Alpenglow gemeinsam mit dem Validator-Client Agave 4.1 ausgeliefert werden. Kernstück ist ein neues Abstimmungskomponent namens Votor, das die Zeit bis zur endgültigen Transaktionsbestätigung drastisch verkürzt. Aktuell liegt diese bei etwa 12,8 Sekunden; angestrebt werden 100 bis 150 Millisekunden unter optimalen Bedingungen. Zusätzlich entfallen künftig Onchain-Abstimmungstransaktionen, die bislang einen erheblichen Teil der Netzwerkaktivität ausmachen. Hadley Stern, Board Director bei DeFi Development Corp, sieht darin die eigentliche Botschaft für institutionelle Anleger: Saubere Validator-Ökonomie und verlässliche Netzwerkdaten seien entscheidend, wenn SOL als Treasury-Asset bewertet werde.
Base: Beryl-Hard-Fork mit nativem Token-Standard und kürzeren Auszahlungsfristen
Das Beryl-Hard-Fork von Coinbases Base-Netzwerk ist bereits vergangenen Freitag in Kraft getreten, allerdings begleitet von einem rund zweistündigen Produktionsausfall durch einen ungültigen Block. Base-Mitgründer Jesse Pollak betonte, Nutzerfonds seien nicht betroffen gewesen, kündigte aber Konsequenzen aus dem Vorfall an. Inhaltlich bringt Beryl den nativen Token-Standard B20, eine Verkürzung der Auszahlungsfristen von sieben auf fünf Tage sowie die Integration von Reth V2, das den Speicherbedarf der Nodes senken und die Ausführungseffizienz verbessern soll. Sun weist darauf hin, dass Base mit diesem Schritt stärker auf einen eigenen Stack setzt, was schnellere Updates ermöglicht, aber die Liquiditätsfragmentierung gegenüber dem bisherigen Optimism-Superchain-Modell erhöhen könnte.
Avalanche: Günstiger für Institutionen, schneller auf der C-Chain
Avalanche verfolgt keinen einzelnen großen Hard-Fork, sondern eine Reihe aufeinander aufbauender Verbesserungen. Das bereits vollzogene Etna-Upgrade ersetzte das bisherige Subnet-Modell durch souveräne Avalanche-L1s und senkte die Kosten für den Start einer eigenen Blockchain um mehr als 99 Prozent. Als Erfolgsbeispiel nennt Sun das japanische Unternehmen Progmat, das rund 63 Prozent des japanischen Marktes für tokenisierte Wertpapiere abbildet und tokenisierte Assets im Wert von mehr als zwei Milliarden US-Dollar auf eine dedizierte Avalanche-L1 migriert hat. Atkinson hebt zudem das Konzept der Streaming Asynchronous Execution hervor, das Transaktionsausführung und Konsens trennt und so höheren Durchsatz bei stabileren Gebühren ermöglichen soll.
Bitcoin: Debatte ohne Ergebnis, Quantenresistenz in weiter Ferne
Bitcoin ist der Ausreißer in dieser Runde. Seit dem Taproot-Upgrade im Jahr 2020 hat das Netzwerk keinen größeren Soft-Fork mehr aktiviert. Covenant-Vorschläge wie OP_CAT, CheckTemplateVerify (CTV) und LNHANCE werden intensiv diskutiert, ohne dass ein Aktivierungspfad absehbar ist. Sun sieht in diesen Vorschlägen Potenzial für verbesserte Verwahrungslösungen, Gebührenverwaltung und Layer-2-Protokolle wie Lightning und Ark. Auch die Debatte um Quantenresistenz nimmt zu: BIP-360 zielt darauf ab, eine Migration zu quantensicheren Adressen zu ermöglichen, doch die Autoren des Vorschlags schätzen selbst, dass eine vollständige Umsetzung unter optimistischen Annahmen Jahre dauern würde. Eine Implementierung vor Ende 2026 gilt als unwahrscheinlich.



