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Bitcoins Potenzgesetz in der Fachliteratur: Übersteht das Modell den Bärenmarkt?

Von einem Reddit-Post zur Peer-reviewed-Wissenschaft

Santostasi skizzierte die Grundidee erstmals in einem Reddit-Post im Jahr 2014. Ihm fiel auf, dass der Bitcoin-Preis auf logarithmischen Skalen einer auffallend geraden Linie folgt. Jahrelang existierte die Theorie nur in sozialen Medien und Community-Charts, bevor Santostasi sie 2024 in einem ausführlichen Medium-Essay darlegte. Kritiker warfen ihm vor, das Modell sei lediglich eine nachträgliche Kurvenanpassung an historische Daten, ein Vorwurf, der ähnlich auch gegen den bekannten Bitcoin-Regenbogenchart erhoben wird. Frühere Arbeiten, etwa Timothy Petersons Metcalfe-Analyse aus dem Jahr 2018 oder eine Studie der Royal Society von 2019, behandelten die Wachstumsrate von Bitcoin als einen aus Daten gewonnenen Parameter. Santostasi und Perrenod beanspruchen, diesen Schritt zu schließen: Ihr Modell leitet die Wachstumsrate aus der Mathematik selbst ab, anstatt sie an Daten anzupassen.

Was die Studie zeigt

Die Autoren analysierten 5.696 tägliche Bitcoin-Preise vom Juli 2010 bis Februar 2026. Über diesen Zeitraum erklärt eine einzige mathematische Kurve, ein sogenanntes Potenzgesetz, rund 96 Prozent der langfristigen Preisschwankungen. Das Modell führt dieses Muster auf zwei Kräfte zurück:

  • Neue Nutzer stoßen in beschleunigenden Wellen zu Bitcoin, einem Wachstumsmuster, das einem 1989 veröffentlichten Modell zur Ausbreitung der Aids-Epidemie in den USA entspricht.
  • Das Netzwerk gewinnt an Wert, weil jeder neue Nutzer mit allen bereits vorhandenen Teilnehmern verbunden ist, ein Effekt, der als Netzwerkwert bekannt ist.

Beide Effekte zusammen sagen die gemessene Wachstumsrate mit einer Abweichung von lediglich 1,6 Prozent vorher. Spekulation spielt laut den Autoren weiterhin eine Rolle, treibt den langfristigen Trend jedoch nicht an, sondern schwankt um ihn herum. Die Studie benennt zudem fünf konkrete Bedingungen, unter denen das Modell seine Gültigkeit verlieren würde, und hält die Theorie damit überprüfbar.

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Erster Live-Test im laufenden Bärenmarkt

Die Veröffentlichung fällt in eine angespannte Marktphase. Bitcoin notiert laut Krypto news-Marktdaten bei rund 60.642 US-Dollar. Das entspricht einem Rückgang von 43 Prozent gegenüber dem Vorjahr und liegt 52 Prozent unter dem Rekordhoch von 126.080 US-Dollar aus dem Oktober 2025. Andere bekannte Modelle stehen unter Druck: Das Stock-to-Flow-Modell gilt als gescheitert, während Standard Chartered und Galaxy Digital in einer laufenden Debatte Bodenpreise zwischen 59.000 und 40.000 US-Dollar diskutieren.

Die Studie gibt auf die Frage nach ihrer Widerstandsfähigkeit eine direkte Antwort: Jeder frühere Bärenmarkt blieb innerhalb der normalen Schwankungsbreite des Modells. Stabilitätstests ergaben keine strukturellen Brüche zwischen 2011 und 2026. Ein vollständiger Modellbruch würde erst eintreten, wenn der Preis mehr als drei Standardabweichungen unter die Trendlinie fällt und dort über ein Jahr verbleibt. In Zahlen aus dem Jahr 2025 entspräche das einem Niveau von etwa 10.000 US-Dollar.

Reaktionen aus der Community

Santostasi kommentierte die Veröffentlichung auf X mit den Worten: „Achievement unlocked! Power Law paper published. Thank you for all your support and constructive criticism along the way.“ Benjamin Cowen, promovierter Nuklearingenieur und Gründer der Analysefirma Into The Cryptoverse, gratulierte öffentlich wenige Tage nach der Veröffentlichung. Da die Daten der Studie im Februar 2026 enden, bleibt der aktuelle Kursrückgang außerhalb des analysierten Zeitraums. Dieser Bärenmarkt ist damit der erste Live-Test des Modells als anerkannte Wissenschaft.

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